
02.08.09, Barbara Hahn im Salon





Barbara Hahn aus Kulmbach beehrt den Salon am ersten Sonntag im August mit ihrem Besuch. Locker, verbindlich, mit feiner individueller Note präsentiert sie ihre Texte, gibt Einblicke in ihr Privatleben und spricht mit dem Publikum.In “Fluchtzwerge” beispielsweise vearbeitet sie persönliche Erfahrungen, die zum Scheitern ihrer ersten Ehe führten: “War ihr Mann zuhause, wurde lauthals gestritten und geschrien. Kein vorbeikommender Spaziergänger blieb mehr stehen, alle wollten nichts bemerkt haben und nichts damit zu tun haben. Nichts bemerken! Ja, die Zwergengruppe verkümmerte mehr und mehr - ihr Lächeln wirkte aufgesetzt und fehl am Platze. Niemand gab ihnen mehr die dringend benötigte Beachtung und Zuneigung - ein paar lustige Worte, die ihr Herz hätten erwärmen können. Tief drinnen wurde es traurig und leer. Eines Morgens waren sie verschwunden...”
Bei ihren Freunden, den Worten, bedankt sich Barbara Hahn in dem Text “Freunde”. “Worte sind für mich wie gute Freunde. Sie helfen mir zu überleben in einer Welt der Oberflächlichkeiten und lehren mich ruhig zu werden und ich selbst zu sein.” Im darauf folgenden Plädoyer für den Wert der Hausfrauenarbeit lehnt sich die Autorin auf gegen die lapidare Gleichgültigkeit, mit der die Leistung der Hausfrauen normalerweise unter den Scheffel gestellt wird. “In einer Zeit der Fertigbackmischungen, Instantsoßen, der Fertigpizzas und Fünf-Minuten-Terrinen, dem neuen Swiffer-Staubmagnet und der Waschmittel mit eingebautem Flecklöser müssten doch alle Klagen einer Hausfrau verstummen, oder?” Was nun wünscht sich Barbara Hahn selbst, als Hausfrau? “Vielleicht wäre es ja ganz schön, wenn mir die Kinder mit den Worten: ‘Es hat gut geschmeckt, wir räumen schon mal den Tisch ab’ einen dicken Schmatz auf meine glühende Wange geben. Oder mein Mann mich mit ehrlichem Interesse und Zeit fragt: ‘Na, Schatz, wie war deine Welt heute?’, und uns alle zum Italiener zum Abendessen einlädt, nachdem er mir das Sonderangebot an Windeln ins Bad gestellt hat. Zuviel verlangt? Es wäre halt total schön - dann wüsste ich nämlich, dass mein täglicher Kleinkrieg auch anerkannt wird.” Barbara Hahn findet hiermit viel Verständnis und Beifall.
Fotos von links nach rechts: Wolfram Stutz; Barbara Hahn und Katerina Alevizou-Stutz; Miriam Stutz; Rosalie Kühl und Jürgen Dudzig
Zuhörer aus der jüngeren Generation: Venja Dornacher, David Stutz und der Organist Christian Strauß
“Die Wände schnüren mir die Luft ab. Irgendetwas drängt mich aus mir heraus.” (Hahn)

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